Predigt zu Kirmes und Burschenschaftsjubiläum am 14. Juni in Kirchvers
Liebe Festgemeinde,
so manches haben Gottesdienste und Kirmesfeiern gemeinsam. Unter anderem dass Beides ohne Musik völlig unvorstellbar ist. Und in beiden gibt es über die Jahre hinweg diverse besonders gern gehörte und gesungene und mitgesungene, bei einer Kirmes zu späterer Stunde auch mal mitgegrölte Lieder.
Ich habe aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mal ein paar Hits zusammengestellt und bin mir sicher: Bei einigen wird die Melodie direkt hochkommen.
Drafi Deutscher: Marmor, Stein und Eisen bricht
Geier Sturzflug: Lust am Leben (Sie wissen schon : „Eins kann mir keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben“)
Wolfgang Petry: Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle, Hölle, Hölle
DJ Ötzi: Anton aus Tirol
Und jetzt, etwas neuer:
Helene Fischer: Atemlos durch die Nacht
Oimara: Wackelkontakt
Und, das könnte der diesjährige Kirmes Hit 2026 in Deutschland werden, so sagt es die Künstliche, so genannte, Intelligenz: Ein Lied mit dem Titel „Mon amour“, wir hören mal kurz rein, einfach weil es vielen vermutlich noch nicht so bekannt ist.
Liebe Festgemeinde, liebe Burschen,
wie gesagt: laut KI der Favorit auf den Kirmeshit 2026.
Solang ich noch Luft in meiner Lunge hab
Brennt mein Herz für dich lichterloh
Du bist für immer mon Amour.
Ein Lied vom Herzen, das für einen anderen Menschen brennt.
1951, als die Burschenschaft von neun Kirchversern bei einer Kiste Bier im Bornweg gegründet wurde, wusste man noch nichts von Künstlicher Intelligenz, aber Lieder von brennenden Herzen, die gab es auch schon. Da sang zum Beispiel eine gewisse Cornelia Froboess „Pack die Badehose“ ein, ich zitiere:
Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein
Denn um Acht müssen wir zuhause sein.
Da brannte das Herz nach einem Besuch am Berliner Wannsee.
Bei der Burschenschaft und der Kirmes hier muss sicherlich keiner um acht zu Hause sein, da ist man vielleicht eher morgens um acht wieder daheim. Wenn überhaupt.
Seit 75 Jahren wird nun also gefeiert. Kirmesse werden ausgerichtet, das Backhausfest mit dem Sportverein veranstaltet, seit einigen Jahren das Brückenfest gefeiert. Das Dorfleben unterstützt. Und natürlich viele andere Kirmesse besucht. Dabei auch das Bruttosozialprodukt flüssig gesteigert.
Das favorisierte Getränk dabei das Bier, das heißt wie der Hersteller mancher Elektrogeräte.
Ich zitiere nochmal aus dem Internet:
Die Burschenschaft „Club Einigkeit 1951“ e.V. Kirchvers ist ein traditioneller Dorfverein …Im Gegensatz zu studentischen Verbindungen handelt es sich hierbei um eine klassische Heimat- und Kirmesburschenschaft, die das kulturelle Dorfleben und regionale Bräuche pflegt.
… die das kulturelle Dorfleben und regionale Bräuche pflegt.
Wie gut, dass dies geschieht.
Dafür wird viel freie Zeit investiert, ja in Anlehnung an das Lied kann man sagen: dafür brennt das Herz.
Über Generationen hinweg, sonst könnte man dieses Jahr kein 75jähriges Jubiläum feiern.
Wie gut, wenn es junge Menschen gibt, deren Herz für eine gemeinsame Sache brennt. Gerade in einer Zeit, in der doch von immer mehr Vereinzelung und ja, Vereinsamung gesprochen wird, dass es da junge Männer gibt, die auch dem etwas entgegensetzen.
Die, so unterschiedlich sie sicherlich auch sind, aber eben eine Sache haben, für die deren Herz gemeinsam brennt. Und ohne die man sich das Dorfleben doch auch nicht vorstellen kann.
Die sich engagieren in der Burschenschaft „damit die Leute zusammenkommen“. Weil jung und alt dahinterstehen. Weil ihnen gesagt wird, ich zitiere „es ist geil, dass ihr das macht mit der Kirmes zum Jubiläum“.
Die sich engagieren und ihre Talente einbringen, für viele der aktiven Burschen ist es die erste Kirmes, aber man ist dankbar für Unterstützung durch Altburschen und dankbar, dass man mittlerweile wieder gut 25 aktive Mitglieder hat.
Und die sich natürlich auch engagieren, weil der Spaß bei all dem im Vordergrund steht.
Mich lässt das fragen, wofür brennt eigentlich unser Herz?
Wofür brennt ihr und euer Herz?
In der Bibel wird oft von brennenden Herzen berichtet, so auch beim Propheten Jeremia, von dem es heißt:
Wenn ich mir aber vornehme: »Ich will nicht mehr an Gott denken und nicht länger in seinem Namen reden«, dann brennt dein Wort in meinem Herzen wie ein Feuer, ja, es glüht tief in mir. Ich habe versucht, es zurückzuhalten, aber ich kann es nicht! (Jeremia 20,9)
Was war passiert? Jeremia hatte Probleme bekommen, wollte eigentlich nicht mehr von Gottes Wort erzählen, es war ihm zu anstrengend geworden und mit zu vielen Entbehrungen verbunden. Kurzum: Er wollte es sein lassen. Er wollte damit aufhören. Er wollte seine Ruhe haben.
So etwas kennen viele von uns: Wenn einem etwas zu viel wird und sich die Frage stellt: Lohnt sich das überhaupt noch?
Ist das angebracht, so viel Energie in eine Sache zu stecken und dann werden einem vielleicht noch ständig Steine in den Weg gelegt oder noch geklagt und ein Wort des Danks hört man selten.
Jeremia geht es da wie einigen Menschen auch heutzutage.
Und womöglich kennen es auch manchmal unsere Burschen: Tage frei nehmen um Zelt auf- und abzubauen. Vorher Werbevideos drehen. Flyer drucken und verteilen. Plakate aufhängen. Hinter der Zapfanlage stehen. Tagelang wenig schlafen. Und wenn alles rum ist, am Besten nochmal eine weitere Woche Urlaub nehmen, um nicht nur die Leber auszukurieren.
Und das in Zeiten, in denen Kirmesbesuche nicht mehr so selbstverständlich sind wie früher und man froh ist, wenn man keinen finanziellen Verlust bei der ganzen Sache macht. In Zeiten, in denen die Bürokratie die Organisation auch nicht gerade vereinfacht.
Auf der anderen Seite musste natürlich schon immer auch nach den Finanzen geguckt werden, ich zitiere aus der Festschrift zum 50järhigen Jubiläum: „Die Burschenschaft kassierte Eintritt in Höhe von einer Mark. Hinzu kam später das Tanzgeld, das erhoben wurde, um die reinen „Biertrinker“, die gar nicht tanzen mochten, nicht allzusehr zu schröpfen. Ernst Willershausen verkaufte das Glas Bier zum Preis von 30 Pfennigen, wobei er pro Hektoliter einen Umsatzanteil von 20 Mark an die Burschenschaft auszahlte.“
Schauen wir von der Burschenschaftshistorie nochmal zu Jeremia, der das Handtuch werfen möchte. Dem reichts. An diesem Tag ist seine Gefühlslage so, dass sein Einsatz sich einfach nicht lohnt und es ihm mehr Nach- als Vorteile bringt. Und dann merkt er aber: Es geht nicht. Ich kann nicht einfach aufhören, von Gottes Wort zu erzählen. Weil es so sehr in seinem Herzen brennt: …dann brennt dein Wort in meinem Herzen wie ein Feuer, ja, es glüht tief in mir. Ich habe versucht, es zurückzuhalten, aber ich kann es nicht!, so heißt es im Wortlaut.
Liebe Festgemeinde,
wie gut und wichtig ist es, wenn wir etwas haben, was uns so sehr im Herzen brennt, das wir uns dafür engagieren und dafür einsetzen, auch wenn es uns manchmal viel Kraft kostet. Nerven kostet. Manchmal gar Ärger bringt. Wir manchmal vielleicht sogar am Liebsten sagen würden: Sollen das doch jetzt Andere machen.
Hier ist es Gottes Wort, das Erzählen von Gottes Botschaft, dass Jeremia einfach machen muss. Es geht gar nicht anders.
Bei Ihnen und euch sind es womöglich andere Dinge. Zum Beispiel eben eine Kirmes zum 75jährigen Jubiläum zu organisieren. Damit es seit langem mal wieder ein typisches Kirmeswochenende gibt: Mit Kirmeshits, mit Zelt, Bosch und Bratwurst, Pommes, Bier und Radler, mit Ohrenpiepen, Tanz und abgestandener Luft im Zelt nach einer langen Nacht. Und mit Festgottesdienst und Posaunenchor und Männergesangverein am Sonntagmorgen.
Bitte und Dank gemeinsam vor Gott bringen. Der ein Gott des Lebens und sicherlich auch des Feierns ist. Der unser Herz für Sachen brennen lässt. Gott sei Dank.
Alles Gute, herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen, liebe Burschen, zum 75jährigen Jubiläum.
Amen.
Gottesdienste am Sonntag, 14.06.
Rollshausen 09:30 (Lektor Hini Schorge)
Kirchvers 10:00 (Kirmesgottesdienst im Festzelt, mit Posaunenchor, Pfr. Hölscher)
Gottesdienst am Samstag, 20.06.
Kirchvers 11:00 (Gottesdienst anlässlich des 30jährigen Kitajubiläums, mit dem Kinderkirchenchor)
Gottesdienste am Sonntag, 21.06.
Weipoltshausen 09:30 (Lektorin Erika Berger)
Rollshausen 10:00 (Konfirmationsgottesdienst, Pfr. Hölscher)
Gottesdienst des Kooperationsraums am Sonntag, 28.06.
Roth 11:00 (Picknick-Gottesdienst an der Lahn, Platz der Umweltpiraten, auf der Höhe des Autohauses Laucht)
Gottesdienst für Groß und Klein am Sonntag, 05.07.
Weipoltshausen 11:00 (am Dorfbrunnen, mit Taufe, mit dem Posaunenchor und dem Gemischten Chor, mit Essen und Trinken im Anschluss)
Kindergottesdienst jeden ersten und dritten Sonntag im Monat in Rodenhausen. Treff um 10:00 Uhr vorm DGH.
In Weipoltshausen jeden ersten, dritten und fünften Sonntag im Monat um 10:30 Uhr in der Kirche.
Kinderkirche für Grundschulkinder am Montag, 22.06. um 15:30 Uhr in Kirchvers (Kinder- und Jugendraum unterm Pfarrsaal).
Kinderkirchenchor (für Kinder ab 6 Jahren) immer freitags um 17:00 Uhr in Kirchvers (Pfarrsaal).
Posaunenchor dienstags um 19:30 in Weipoltshausen (DGH).
Bastel- und Handarbeitskreis am Donnerstag, 11.06. um 19:00 Ihr in Rodenhausen (DGH)
Bibelgesprächskreis am Dienstag, 30.06. um 19:00 in Weipoltshausen (Kirche).
Frauenkreis am Mittwoch, 25.06. um 15:00 Uhr in Altenvers (Kirche)
Kirchencafé am Mittwoch, 10.06. um 15:00 Uhr in Weipoltshausen (DGH)