Die Predigt vom 12.07.2026 von Lektorin Cornelia Schlickeiser und Sienna Sophie Scholz (6. Sonntag nach Trinitatis)
Der Friede Gottes sei mit euch.
Liebe Gemeinde,
„Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt“
Mit diesen Worten beginnt unser Predigttext aus dem 5. Buch Mose. Es sind Worte, die Israel kurz vor dem Einzug in das verheißene Land hört. Vierzig Jahre Wüstenwanderung liegen hinter ihnen.
Eine Generation ist gegangen, eine neue steht bereit. Alte Erinnerungen treffen auf junge Hoffnungen. Vergangenheit und Zukunft begegnen sich.
Ist das nicht auch ein Bild für unsere Gemeinde heute?
Da sitzen Menschen, die seit Jahrzehnten glauben, beten und der Gemeinde dienen. Sie haben viel erlebt: Zeiten des Aufbruchs und Zeiten der Enttäuschung. Und neben ihnen sitzen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Sie stellen Fragen, suchen Orientierung und wünschen sich eine Zukunft, in der Glaube lebendig ist.
Unser Predigttext spricht beide Generationen an.
Gott sagt nicht „Die Alten sind mein Volk“. Er sagt auch nicht: „Jetzt beginnt etwas völlig Neues mit den Jungen“.
Er spricht sein ganzes Volk an. Alle gehören zu ihm.
Dabei erinnert Mose die Menschen an eine wichtige Wahrheit: Nicht ihre Größe, ihre Stärke oder ihre Leistung haben sie zu Gottes Volk gemacht.
„Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker- denn du bist das Kleinste unter allen Völkern-, sondern weil er euch geliebt hat“
Das ist der Kern der Botschaft.
Gottes Liebe muss man sich nicht verdienen.
Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Es gilt für den Menschen am Anfang seines Lebens und für den Menschen am Ende seines Lebens.
Unsere Gesellschaft misst den Wert eines Menschen oft an seiner Leistung. Junge Menschen sollen erfolgreich sein, sich entwickeln, Ziele erreichen. Ältere Menschen fragen sich manchmal, ob sie noch gebraucht werden, wenn ihre Kräfte nachlassen.
Gott denkt anders.
Vor Gott zählt nicht, wie viel wir leisten, sondern dass wir seine geliebten Menschen sind.
Das nimmt Druck heraus
Kinder müssen nicht perfekt sein.
Jugendliche müssen nicht allen Erwartungen entsprechen.
Erwachsene müssen nicht ständig beweisen, wie belastbar sie sind.
Ältere Menschen verlieren ihre Würde nicht, wenn sie langsamer werden.
Gott liebt uns nicht wegen unserer Erfolge. Er liebt uns, weil er uns liebt.
Diese Zusage verbindet alle Generationen.
Doch Gottes Liebe bleibt nicht folgenlos.
Israel wird als „heiliges Volk“ bezeichnet.
Heilig bedeutet nicht fehlerlos.
Heilig bedeutet: Gott hat euch für sich ausgesondert. Ihr gehört ihm.
Wer zu Gott gehört, lebt anders.
Das betrifft den Umgang miteinander.
Gerade zwischen Jung und Alt stehen wir heute vor Herausforderungen.
Die Jüngeren verstehen die Älteren oft nicht.
Die Älteren verstehen die Jüngeren manchmal ebenso wenig.
Die einen wünschen sich Veränderung.
Die anderen sehnen sich nach Bewährtem.
Die einen denken an morgen.
Die anderen erinnern an gestern.
Doch Gottes Gemeinde lebt nicht vom Gegensatz der Generationen, sondern von ihrem Miteinander.
Die Alten besitzen Erfahrung.
Sie wissen, wie Gott auch durch schwere Zeiten geführt hat.
Sie können erzählen, wie Gebete erhört wurden und wie Hoffnung getragen hat.
Die Jungen bringen Fragen mit.
Sie sehen neue Möglichkeiten.
Sie erinnern daran, dass Gott immer wieder Neues schafft.
Beides wird gebraucht.
Die Bibel erzählt immer wieder von diesem Zusammenspiel
Mose führt Josua
Elia begleitet Elisa
Naomi gibt Rut Orientierung
Paulus ermutigt Timotheus.
Und Jesus stellt ein Kind mitten unter die Jünger und macht deutlich, dass auch die Kleinsten eine wichtige Stimme haben.
Gottes Geschichte war nie eine Geschichte nur einer Generation.
Sie lebt vom Weitergeben des Glaubens.
Genau darum geht es in unserem Predigttext.
Gott hält seinen Bund.
Er bleibt treu „bis ins tausendste Glied“
Das bedeutet nicht einfach eine große Zahl.
Es bedeutet: Gottes Treue reicht weiter, als wir denken können.
Eine Generation allein kann den Glauben nicht bewahren.
Er wird weitergegeben.
Nicht als Pflichtprogramm.
Sondern als lebendige Erfahrung.
Vielleicht erinnert ihr euch an einen Menschen, der euch den Glauben nahegebracht hat, ……eine Mutter, ein Großvater, eine Religionslehrerin, ein Pfarrer, ein Freund.
Glaube wächst oft dort, wo Menschen ihn glaubwürdig leben.
Deshalb brauchen junge Menschen ältere Vorbilder.
Und ältere Menschen brauchen junge Menschen, die Fragen stellen und neue Wege suchen.
Manchmal entsteht der Eindruck, die Generationen stünden in Konkurrenz.
Wer entscheidet?
Wessen Musik wird gespielt?
Welche Gottesdienstform ist die richtige?
Welche Sprache soll verwendet werden?
Unser Predigttext lenkt den Blick weg von unseren Vorlieben hin zu Gott.
Nicht wir stehen im Mittelpunkt.
Wenn Gott uns gemeinsam erwählt hat, können wir lernen, auch gemeinsam unterwegs zu sein.
Das verlangt gegenseitigen Respekt.
Die Jungen dürfen die Erfahrungen der Älteren achten.
Die Älteren dürfen den Mut der Jüngeren fördern.
Niemand besitzt die ganze Wahrheit.
Aber gemeinsam können wir Gottes Weg suchen.
Besonders schön ist der Gedanke der Treue Gottes.
Menschen verändern sich.
Generationen kommen und gehen.
Mode, Sprache und Gewohnheiten wechseln.
Doch Gott bleibt derselbe.
Seine Liebe trägt Kinder ebenso wie Hochbetagte.
Sie trägt Menschen voller Kraft ebenso wie Menschen, deren Kräfte schwinden.
Diese Treue gibt Hoffnung.
Denn unser Glaube hängt letztlich nicht an unserer Stärke.
Er hängt an Gottes Treue.
Vielleicht fühlen sich manche heute jung und voller Pläne.
Vielleicht fühlen sich andere alt und fragen sich, was noch vor ihnen liegt.
Gottes Antwort lautet für beide:
„Ich habe dich erwählt. Ich liebe dich. Ich halte meinen Bund mit dir“
Das verändert den Blick aufeinander.
Dann begegnen wir einander nicht zuerst mit „die Jungen“ oder „die Alten“.
Sondern als Menschen, die gemeinsam von Gott geliebt sind.
Eine Gemeinde ist dann wie eine Familie.
Kinder bringen Leben hinein.
Jugendliche bringen Begeisterung.
Erwachsene übernehmen Verantwortung.
Ältere schenken Weisheit und Erinnerung.
Erst gemeinsam entsteht ein vollständiges Bild.
Der Apostel Paulus beschreibt die Gemeinde später als einen Leib mit vielen Gliedern.
Jedes Glied ist wichtig.
Keines kann sagen: Ich brauch dich nicht“
Das gilt auch für Generationen.
Darum lasst uns voneinander lernen.
Lasst die Alten erzählen.
Lasst die Jungen fragen.
Lasst die Kinder staunen.
Lasst uns gemeinsam auf Gottes Wort hören.
Denn Gottes Liebe verbindet stärker als die Unterschiede.
Und seine Treue reicht weiter als unsere Lebenszeit.
So dürfen wir als Gemeinde miteinander unterwegs sein-getragen von derselben Liebe, geführt von demselben Herrn und verbunden durch dieselbe Hoffnung.
Amen
Picknickgottesdienst des Kooperationsraums am 28. Juni in Roth:
Gottesdienste am Sonntag, 12.07.
Rollshausen 09:30 (Lektorin Conny Schlickeiser)
Kirchvers 10:45 (Lektorin Conny Schlickeiser)
Gottesdienst des Großkirchspiels am Sonntag, 19.07.
Willershausen 11:00 (Hofgottesdienst bei Familie Klatt, Pfrn. Alwine Schulze)
Gottesdienste am Sonntag, 26.07.
Rodenhausen 09:30 (Lektorin Conny Schlickeiser)
Kirchvers 10:45 (Lektorin Conny Schlickeiser)
Gottesdienst am Sonntag, 02.08.
Kirchvers 10:45 (Pfr. Hölscher)
Kindergottesdienst jeden ersten und dritten Sonntag im Monat in Rodenhausen. Treff um 10:00 Uhr vorm DGH.
In Weipoltshausen jeden ersten, dritten und fünften Sonntag im Monat um 10:30 Uhr in der Kirche.
Kinderkirche für Grundschulkinder am Montag, 31.08. um 15:30 Uhr in Kirchvers (Kinder- und Jugendraum unterm Pfarrsaal).
Kinderkirchenchor (für Kinder ab 6 Jahren) immer freitags um 17:00 Uhr in Kirchvers (Pfarrsaal).
Posaunenchor dienstags um 19:30 in Weipoltshausen (DGH).
Bastel- und Handarbeitskreis am Donnerstag, 06.08. um 19:00 Ihr in Rodenhausen (DGH).
Bibelgesprächskreis am Dienstag, 28.07. um 19:00 in Weipoltshausen (Kirche).
Kirchencafé am Mittwoch, 08.07. um 15:00 Uhr in Kirchvers (Pfarrsaal).